Mo
07
Jun
2010
Gemeinsam Lesen: Die Lehren der Gnade (VIII)
Kapitel 7: Bewahrende Gnade (S. 173-197)
Nun kommen wir im siebten Kapitel dieses Buches also zum fünften und letzten Punkt des Calvinismus. Danach werden noch 2 Kapitel folgen, die die Lehren der Gnade noch ein mal abrunden. Der fünfte Punkt des Calvinismus wird laut dem TULIP-Akronym auch "Ewige Heilssicherheit" genannt. Diese Bezeichnung ist zwar nicht falsch (auch wird ein solcher Begriff nicht in der Bibel erwähnt), sie kann jedoch missverständlich aufgenommen werden. Laut meiner Wahrnehmung ist dieser Punkt für viele sogar "Hauptanstosspunkt" des Calvinismus. An dieser Wahrnehmung ist vor allem diese unglückliche Bezeichnung und ein nur oberflächliches studieren der Lehren der Gnade, Schuld. Anstatt sich mit der biblischen Grundlage des Calvinismus zu befassen, lesen sich viele Gegner die fünf Punkte durch, lesen dazu noch eine kritische Abhandlung darüber und fertig ist Ihr Urteil. Ich hoffe natürlich, dass auch "Calvinisten-Gegner" diese Blogserie lesen. Die Frage der meisten ist an dieser Stelle "Wenn das Heil sicher ist. Was ist mit den deutlichen Lehren der Bibel wie Abfall, Ausharren etc.?". Das sind Fragen die ich mir selbst gestellt habe (ich bin kein geborener Calvinist). Eine zufriedenstellende Antwort wird weder das lesen dieses Artikels noch des gesamten Buchkapitels geben. Es sind lediglich Hilfestellungen die beim persönlichen Bibelstudium zu Rate gezogen werden können. Die Internetlandschaft ist sehr schnell und kurzlebig, so dass kurz gefasste Informationen mehr konsumiert wird als ausführlichere und längere Informationen. Ich möchte dich einladen, dir Zeit zum Selbststudium zu nehmen und den Artikel ganz zu lesen.
ZUSAMMENFASSUNG
Die Autoren verwenden auch für diesen Punkt eine neue Bezeichnung und nennen Ihn "Bewahrende Gnade". Dieser Name ist weit treffender für diese Lehre und fasst alle Punkte sinnvoll zusammen. Sie ist eine Konsequenz der vorangegangenen Lehren.
"Es ist eine logische Konsequenz der Tatsache, dass die Erlösung das Werk eines ewig liebenden und absolut unwandelbaren Gottes ist."
Das erste was die Autoren zum Anfang dieses Kapitels (zurecht) schreiben, ist eine Widerlegung weit verbreiteter Missverständnisse, ...
"1.) Das Ausharren der Gläubigen bedeutet nicht, dass Christen vor allen geistlichen Gefahren gefeit sind, nur weil sie Christen sind. ... 2.) Das Ausharren der Gläubigen bedeutet nicht, dass Christen immer vor Sünde bewahrt werden, nur weil sie Christen sind. ... 3.) Das Ausharren der Gläubigen bedeutet nicht, dass Menschen, die nur behaupten, Christ zu sein, aber nicht wiedergeboren wurden, Heilssicherheit haben."
Diese 3 Punkte werden sehr gut und nachvollziehbar begründet. Für die Argumentation möchte ich gerne an das Buch selbst verweisen und ermutigen das Kapitel zu lesen (für alle die das Buch nicht haben).
Dass alle wahrhaft Gläubigen tatsächlich ausharren werden(!) belegen viele Bibelstellen (Psalm 34,8, Jer 31,3, Jer 32,40, Hes 11,19, Joh 5,24, Joh 6,51, R÷m 11,29, 2.Kor 4,8-9,14, Heb 10,14, 1.Pet 1,3-5, 1.Joh 5,11-13), diese werden in diesem Buch angeführt, bevor sich die Autoren auf die Argumentation dreier Verse fokussieren und zwar Philipper 1,6, Johannes 10,27-30 und Römer 8,35-39. Durch das bloße kommentieren dieser Bibelstellen, wird deutlich, dass die bewahrende Gnade bzw. das letztendliche Ausharren der Gläubigen tatsächlich in der Bibel gelehrt wird.
Besonders bemerkenswert ist die Argumentation zu Johannes 10 (>>Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie,...<<). Dazu schreiben die Autoren unter anderem:
„...Erstens gibt er seinen Schafen ewiges Leben. Dieses Leben kann natürlich nur >>ewig<< genannt werden, wenn es für immer Bestand hat, was von Gottes heilsbewahrender Gnade abhängt. Zweitens sagte Jesus, dass seine Schafe nicht verloren gehen. Auch für diese Verheißung ist Gottes heilsbewahrende Gnade erforderlich. Drittens sagt Jesus: >>Niemand wird sie aus meiner Hand rauben.<< Das scheint sicher genug, legt Jesus quasi die Hand des Vaters um seine eigene und sagt: >>Niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben.<< Somit sind wir doppelt sicher, in der Hand des Vaters und des Sohnes.“
Auch räumen die Autoren das Vorurteil aus, man müsse keine Leiden ertragen wenn wir das Heil „sicher“ hätten.
„Das Ausharren der Gläubigen bedeutet nicht, dass sie automatisch von allen Leiden befreit sind. Der Vers lehrt sogar das Gegenteil: Wir werden Leiden erfahren, auch wenn sie nur von relativ kurzer Dauer sind – beschränkt auf dieses Leben, nicht aber auf die Ewigkeit-, und wenn die Zeit gekommen ist, werden diese Leiden durch eine ewige Herrlichkeit ersetzt.“
In diesem gleichen Abschnitt zitieren die Autoren den Prediger Al Martin, in dem er die Lehre der bewahrenden Gnade, wunderbar praktisch anwendet:
„Wenn ich glaube, dass Gott Sünder rettet, dass er ihnen nicht nur neuer Leben gibt und sie zu Buße und Glauben führt, sondern dass er sie auch bewahrt und sie schließlich in seine Gegenwart bringt – wenn das alles sein Werk ist-, dann wird mich das städnig ins Gebet führen. Es wird nicht nur eine heilige Wachsamkeit und ein Misstrauen mir selbst gegenüber hervorbringen, sondern die permanente Bitte an ihn, in mir das zu vollbringen, was er verheißen hat. Denn was ist Gebet letzten Endes? Es ist die bewusste Ausbreiten meiner Hilflosigkeit vor Gott. Der wahre Calvinist ist ein Mensch, der bekennt, dass die Gnade ihn nicht nur zum Leben erwecken, sondern auch bewahren muss.“
Bevor die Autoren zu den Problemstellen kommen die der Lehre der bewahrenden Gnade zu widersprechen scheinen legen Boice und Ryken 1. Petrus 5,10 in vier Schritten aus, so dass man von selbst zugeben muss: Gott befähigt uns. Alles kommt von Gott und so ist es der Vater im Himmel, der uns „durchbringt“, alles andere wäre eine Gnade die man durch ein „frommes“ Leben zu „behalten“ versucht. Böse ausgedrückt, Heil durch Werke. Die Autoren leisten an dieser Stelle ganze Arbeit und begründen wirklich von der Bibel her.
Auch die Behandlung der so genannten Problemstellen, geschieht systematisch und einleuchtend. Zu Phil 2,12 und 2Pet 1,1o schreiben Boice und Ryken:
„Sie erinnern und letztlich nur daran, was wir bereits erkannt haben: Gottes Bewahrung der Gläubigen bedeutet nicht, dass wir nicht ausharren müssten. Weil Gott uns bewahrt, werden wir ausharren. Bedenken wir: Auf Philipper 2,12, wo es heißt, dass wir unser Heil >>bewirken<< sollen, folgt direkt: >>Denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken zu seinem Wohlgefallen<< (V.13)"
FAZIT
Dieses Kapitel ist wirklich stark und solide. Es gründet sich auf Gottes Wort und zuvor von mir kritisierte Punkte (starke Betonung auf historische Personen, Bekenntnisse und Kirchengeschichte) sind an dieser Stelle nicht gegeben. Ich weiß dass für viele dieser fünfte Punkt der Hauptanstoss im Calvinismus ist. Für diese Christen kann dieses Kapitel eine gute Hilfe sein diese Lehre, wenn schon nicht anzunehmen, wenigstens nachzuvollziehen.
NÄCHSTE WOCHE
Nimm dir bitte für nächste Woche Kapitel 8: Der wahre Calvinist (S. 201-225) vor.
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ARTIKEL AUS DER SERIE
Gemeinsam Lesen: Die Lehren der Gnade (VII)
Gemeinsam Lesen: Die Lehren der Gnade (VI)
Gemeinsam Lesen: Die Lehren der Gnade (V)
Gemeinsam Lesen: Die Lehren der Gnade (IV)
Gemeinsam Lesen: Die Lehren der Gnade (III)
Gemeinsam Lesen: Die Lehren der Gnade (II)
Gemeinsam Lesen: Die Lehren der Gnade (I)
Gemeinsam Lesen: Die Lehren der Gnade (Ankündigung)
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6 Kommentare
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#1
Hallo Peter,
ich verstehe folgenden Satz von dir nicht:
"Ich weiß dass für viele dieser fünfte Punkt der Hauptanstoss im Calvinismus ist.".
Gruß Anna -
#2
Einige Christen die ich kennen gelernt habe und dem Calvinismus gegenüber sehr skeptisch (bis feindlich) gegenüberstehen, ist dieser fünfte Punkt ein Kriterium zu sagen "Calvinismus ist unbiblisch". Dem entsprechend stoßen Sie sich hauptsächlich an diesem Punkt...
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#3
Werden auch solche Verse wie Johannes 15,4-6 diskutiert und harmonisiert? Tue mir nämlich mit solchen Texten schwer da sie auf den ersten Blick ja doch widersprüchlich erscheinen.
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#4
Diese Bibelstelle wird nicht im Einzelnen besprochen.
Die Autoren weisen auf Problemstellen hin in Anlehnung an ein viel umfangreicheres Werk (zweiter Band über Römer 8 von Martyn Lloyd-Jones, der sich dort in über 100 Seiten diesem Thema widmet).
So teilen sie die Problemstellen in drei Kategorien:
- Bibelstellen, die so gedeutet werden, dass wir aus der Gnade fallen könnten,
- Bibelstellen, die so gedeutet werden, dass unsere Errettung nicht sicher sei,
- Warnende Bibelstellen.
Für die „warnenden Bibelstellen“ schreiben die Autoren:
„Der Grund für solche Aussagen besteht darin, dass wir von Gott gewarnt werden müssen, um auszuharren. Oder anders ausgedrückt: Mittels solcher Warnungen stellt Gott durch sein wirksames Wort unser Ausharren sicher.“ (S. 194)
In Deutsch beschäftigt sich folgendes Buch in mehreren hundert Seiten sehr intensiv mit dieser Thematik unter Berücksichtigung auch der anderen gängigen Ansichten:
„Mit Ausharren laufen – Gibt es Heilsgewissheit ohne Heiligung?“, Betanienverlag.
Das Johannesevangelium – sowie die Briefe des Johannes sind dort zu diesem Thema besprochen.
Wichtig ist, dass beide Bücher dazu auffordern, solche Stellen ernst zu nehmen und nicht unter den Tisch fallen zu lassen.
Anna
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#5
Auch in diesem Kapitel ist wieder zu sehen, dass kurz zusammengefasste „Slogans“ über biblische Lehren missbraucht werden können, um Unkundige davon abzuhalten.
Einer Kurzdarstellung sollte man also immer skeptisch gegenüber stehen. Ich würde dies auch für Gegenpositionen so zu bedenken geben.
Wer also mit Menschen zu tun hat, die anders unterwiesen sind – muss sich nicht ängstigen lang und ausgiebig die Gegenposition zu erfragen. Das wird oft unterlassen und sich hinterher gewundert, warum die eigene Argumentation nicht greift.
(Damit will ich nicht sagen, dass der letzte Grund für eine Korrektur eine intelligente, wasserdichte Argumentation sei. Wir wissen, schon aufgrund der hier vorgestellten ersten Lehre, dass Verständnis und Korrektur letztlich auf Gottes Handeln fußen. Gott handelt aber auf fest vorgezeichneten Wegen und der Weg heißt hier: „durch Sein Wort“ – „durch Seine Wahrheit, die recht frei macht“.)
Was besagt also die Lehre von der bewahrenden Gnade?
Dass die von Gott in der ewigen Vergangenheit Zuvorerkannten, Zuvorbestimmten, Berufenen, Wiedergeborenen, Gerechtfertigten und „die auf dem Weg zur letztendlichen Verherrlichung sind … niemals verloren gehen können.“ (S. 173)
Dieses „und“ ist hier sehr wichtig.
Wer wenig Mühe im Verständnis des Jakobusbriefes hat, der wird auch hier mit diesem „und“ wenig Mühe haben. (Die „Natur“ des lebendigen Glaubens ist, dass er Werke aufweist. Ich könnte sagen, so wie es die Natur des Lebenden ist: zu atmen.)
Würde ich das Komma in dem Satz auf Seite 178: „Gott bewahrt seine Heiligen, so dass sie ausharren.“ so setzen:
Gott bewahrt seine Heiligen so, dass sie ausharren. –
dann würde es noch deutlicher.
Der Weg, den Gott bestimmt hat, die Seinen ans Ziel zu bringen – ist der Weg des Ausharrens, kein anderer ist vorgegeben.
Dieser Weg hat Charakteristika: Ringen, Kämpfen, Fallen und Aufstehen, ….
Der Weg hat mit Sicherheit folgende Charakteristika nicht: Faulheit, jetzt kann ich leben wie ich will, lasst uns sündigen, …
Nun könnte man wirklich fragen:
Wie kann dies eine „beruhigende Lehre“ (S. 177) genannt werden?
Weil: „Dies ist das Schicksal, das Gott in seiner souveränen und unerklärlichen Liebe für sie vorherbestimmt hat, und er erreicht dieses Ziel durch sein souveränes Handeln: Berufung, Wiedergeburt, Rechtfertigung und Verherrlichung der Gläubigen.“ (S. 176)
„… Sicherheit, die sich nicht auf unsere Fähigkeit gründet, sondern auf seinem Willen und seinem Vermögen.“ (S. 176)
Dabei fallen mir auch immer wieder zwei Dinge ein: Gott wirkt das Wollen und das Vollbringen und wie ihr empfangen habt, so wandelt.
Unwahrscheinlich ausdrucksstark fand ich auch die kurze Aussage bzgl. „Verheißungen“:
„Aber der Vers ist kein Wunsch, sondern eine Verheißung für die Zukunft“ (S. 182 zu 1. Petrus 5, 10).
Es ist so wichtig, dass wir die Verheißungen, die Gott den Seinen gibt – nicht als eine „Möglichkeitsform im Handeln Gottes“ fassen, sondern als Seinen erklärten und zum Ziel führenden Willen.
Es ist nicht einfach Gottes Wunsch, dass die Seinen ankommen auf dem von IHM bestimmten Weg – sondern ein unumstößlich sicheres Handlungsversprechen den Seinen gegenüber.
Liebe Grüße Anna -
#6
Aha, ok ich bin ohnehin auf der Ausharrungs-Seite.
