Do
11
Mär
2010
Israel, wer bist du? (Teil 1)
von Peter Voth
„Mit der Welt geht es abwärts, mit Israel aufwärts
und mit der Gemeinde himmelwärts.“
Ludwig Schneider
Ein Wort zum Anfang
Dieser Artikel ist eine Auseinandersetzung mit der Frage der Vereinbarkeit des heutigen nationalen Israels mit reformatorischer Theologie, oder besser Bundestheologie. Bevor ich die Frage erörtern möchte wer Israel den sei, möchte ich anmerken, dass ich ein Freund der reformierten Theologie bin. Ich betrachte die Lehren der Gnaden als biblisch und auch sonst ist das Gottesfürchtige Werk der Reformatoren und Ihren Erben ein Zeugnis wahren Gottesdienstes und wahrer Anbetung. Von Ihnen können und müssen wir fortwährend lernen. Doch ich habe ein Problem. Ich bin kein Anhänger der Bundstheologie. Viele reformierte werden jetzt einwenden, dass es nicht möglich sei reformiert zu sein und zu gleich die Bundestheologie abzulehnen. Das mag sein, meine Einstellung zu Israel tut dem jedoch keinen Abbruch (auch nicht meinem Lehrverständnis von der Vereinbarkeit dieser Pole). Welches Israel ich meine, werden wir nun gemeinsam herausfinden.
Eine Feststellung
In der reformierten Theologie, nimmt die Bundestheologie (manchmal auch Ersatztheologie genannt), einen wichtigen Platz ein. Sie besagt (vereinfacht ausgedrückt), dass das einstige Volk Israel nun die Gemeinde Jesu Christi sei(Der Bund mit dem Volk Israel ist auf die Christus-gläubige Gemeinde übergegangen). Der Bund Gottes mit gläubigen Menschen (im AT das jüdische Volk), bleibt bestehen und findet in der Gemeinde, seine Fortsetzung bzw. seine Erfüllung. Da es sich lt. Bundestheologie um einen ewig gültigen Bund (Bund der Gnade) handelt, bleibt die Kontinuität mit seinem Volk(nun die Gemeinde) bestehen, d.h. auch das Zeichen des Bundes wird fortgesetzt. In der Konsequenz bedeutet das, dass das Zeichen im AT, die Beschneidung, in Form der Taufe seit dem NT bestehen bleibt. Konsequente „reformierte“ sind meist Kindertäufer (Pädobaptisten). Vertreter der Kindertaufe handeln richtig, wenn Sie die Bundestheologie als biblisch richtig erkannt haben. Nun, es gibt ja noch die reformierten Baptisten, die lt. Ihrem Lehrverständnis die Bundestheologie als biblisch richtig anerkennen, jedoch die Taufe nicht in der Art, wie die Presbyterianer bloß als Bundeszeichen ansehen, sondern es für erforderlich halten, dass bevor die Taufe geschieht, ein Glaube vorhanden sein muss. Bekehrung und Widergeburt gehen also der Taufe voraus. Beides ist aus Sicht der Bundestheologie akzeptabel und nicht verwerflich. Doch ist die Bundestheologie, die eindeutige Theologie der heiligen Schrift? Ist die Bundestheologie, ein schriftgemäßes Gebilde?
Nicht „solo Scriptura“
Um diese Fragen zu beantworten müssen wir in die Bibel schauen UND auf Israel. Wie mir ein reformierter Bruder zu Recht kürzlich schrieb, heißt „sola scriptura“ nicht „solo scriptura“. Wenn wir also in das Wort Gottes schauen, ist es angebracht auch auf die gegenwärtigen Zeichen gegebener Realitäten, zu schauen. Und wir werden beobachten, dass Gott wirkt, hier und heute, im Menschen, in der Geschichte und in der Zukunft. Warum nicht, das in der Bibel beschriebene Israel mit dem heutigen vergleichen? Gibt es sogar Parallelen? Oder gar Erfüllungen?
Das ethische und nationale Israel (und ihre „Blutspur“)
Seit der Zerstörung Jerusalems (70 n. Chr.) und der Zerstreuung Israels in alle Völker, war das Land Israel von der Landkarte verschwunden. „Israel“, war von der Erde getilgt, seit Roms Kaiser Hadrian 135 n. Chr. Israel in Palästina umbenannte. Damit wollte er alle Erinnerungen an den Namen auslöschen, dessen Inhalt bedeutet, dass „Gott für Israel streitet“. Seitdem sollte es viele muslimische und „christliche“, Saaten und Länder geben, doch kein jüdisches. Das nationale Israel war tot, für alle, auch für die Christen. Fortan sah sich (wie oben bereits angedeutet) die Kirche als das wirkliche und neue Israel (Replacement Theology). Denn, die Verheißungen Gottes, sollten sich ja erfüllen, aber mit wem? Israel war nicht mehr da, das jüdische Volk zerstreut. Die Antwort war für die Christen einfach, wir sind das eigentliche Israel. Die Gemeinde der Gläubigen, die Gemeinde Jesu Christi. Damit haben sich die Christen (heute vor allem die reformierten) daran beteiligt, dass man an das irdische Israel nicht mehr gedenken soll. Das nationale und ethische Israel hat im Zeitalter der Gemeinde keinen Platz in dieser Theologie (Bundestheologie). Ja nicht mal die geringste Bedeutung. Eine Tatsache bzw. Feststellung mit der der gewöhnliche reformierte, keine Probleme hat. Doch damit macht er sich wiederum indirekt mit den Menschen gleich, die das nationale Israel ebenfalls nicht gerne „begrüßen“.
1300 v. Chr. wollte Pharao die Hebräer im Nil ertränken. Später wollten die Amalekiter, die Israeliten in der Wüste vernichten. 578 v. Chr. führten die Babylonier, die Juden in die Verbannung um sie als Nation auszulöschen, bis König Nebukadnezar wahnsinnig wurde und Gras aß, so dass die Juden nach 70 Jahren wieder nach Zion heimkehren durften. Der Syrer-Grieche Antiochius Epiphanes IV. versuchte den Juden Ihr Judentum zu nehmen bis er vor den Makkabäer-Juden kapitulieren musste und die Juden 167 v. Chr. den Tempel Gottes neu weihten.
Zu guter Letzt kamen die Römer und zerstörten 70 n. Chr. den Tempel und die Stadt Jerusalem und zerstreuten die Juden unter alle Völker.
Darauf hin hatten die Juden (welche eigentlich Israeliten sind) eine schwere Zeit. Pogrome und nicht zuletzt der Holocaust wollte diesem Volk für immer das Garaus machen („Endlösung“, es war angestrebt dieses Volk für immer zu vernichten). Trotz allen Hasses, Verfolgungen und Anfeindungen, überlebten die Juden. Für die Welt war Israel tot, auch theologisch und aus irgendeinem unerfindlichen Grund wollte man die Juden vernichten. Dieser Hass (Antisemitismus) zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Weltgeschichte und hält bis heute an. Warum wurde und wird das nationale Volk Israel derart verfolgt? Weil es Gott untreu geworden ist und damit Ihre gerechte Strafe bekommt? Oder doch weil es, wie zur Zeit des AT, das Volk Gottes ist?
1948 wurde der erste Judenstaat gegründet, Israel. In der Hoffnung auf Ruhe und eine endliche Heimat kehrten seitdem Juden aus allen Völkern nach Israel heim. Der gewöhnliche reformierte Christ, kann mit diesem Umstand nichts in Verbindung bringen und schon gar nichts anfangen. Für Ihn hat es keinerlei Bedeutung, denn die Segnungen des Volkes Israel sind ja auf die Gemeinde übergegangen. Die Bundestheologie verbietet das nationale Israel, als das Volk Gottes anzusehen. Für den gewöhnlichen reformierten hat das heutige Israel nicht mehr Bedeutung als Deutschland, China oder Laos. Die Bundestheologie macht das nationale heutige Israel, nicht weiter bedeutend. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass viele reformierte Christen nicht einmal auf Israels Seite stehen, wenn es um die Frage geht, wem das Land gehöre. Ist das nicht seltsam? Ist das nicht befremdlich? Spricht diese Haltung sogar gegen die heilige Schrift?
Totgeglaubte leben länger
Trotz dieser Tatsachen hält sich Israel immer noch. Seit der Gründung wurde kein anderes Land derart bedrängt und bekämpft. Vermehrt wenden sich die Medien gegen Israel und zeichnen ein (aus meiner Sicht) einseitiges Bild des Landes. Die Palästinenser sind die Opfer, die Israeliten die Täter. Da erstaunt es kaum, dass sich sogar Christen gegen Israel wenden. Das heutige Israel, war bis vor knapp 60 Jahren Wüste und grünt und wächst seitdem unaufhörlich. Trotz der zahlreichen Kriege und Feinde, wächst die Wirtschaft und Juden wandern kontinuierlich in das Land ein. Ist es nicht merkwürdig, dass ein Land, das mit 7,3 Millionen Einwohnern, gerade mal der Population (und Größe) des deutschen Bundeslandes Hessen entspricht, die ganze Welt beschäftigt? Ist es nicht, besonders für einen Christen, eine Überlegung wert, hier einzuhacken? Die ganze Sache mal (sofern man die Bundestheologie vertritt, oder auch nicht) von einer anderen Perspektive zu betrachten? Wäre es nicht sogar möglich, dass die Bibel zwischen dem Volk Israel und der Gemeinde einen Unterschied macht?
Wer ist Israel? Eine Identifizierung.
„So spricht Gott, der Herr: Wenn ich das Haus Israel wieder sammle aus den Völkern, unter die sie zerstreut worden sind, so werde ich mich an ihnen heilig erweisen vor den Augen der Heiden, und sie sollen in ihrem Land wohnen, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe.“
Hesekiel 28, 25
Dies ist eine Aussage Gottes an den Propheten Hesekiel. Liest man diesen Vers, alleine und für sich, dürfte kein Zweifel aufkommen, dass hier das nationale Israel gemeint sei. Wenn Gott hier sagt dass das Haus Israel „wieder“ im Land wohnen solle, dass er einst seinem Knecht Jakob gegeben habe, dann kann man dies nicht missdeuten. Aber was ist mit der Aussage, dass sich Gott heilig am Volk erweisen würde? Ist Israel nicht ein sündiges Land wie jedes andere? Ja das stimmt. Dann ist hier wohl doch die Gemeinde gemeint!?
Israel heute. Ein Exkurs.
Das heutige Israel ist zum größten Teil jüdisch. Christen sind nur sehr wenig anzutreffen. Eine geringe Anzahl von Juden bekennen sich zu Jesus (messianische Juden). Diese haben es oft nicht leicht und müssen teilweise sogar mit Verfolgungen von orthodoxen Juden rechnen. D.h. Christen, besonders Judenchristen haben kein leichtes Standing im „gelobten Land“. Dabei sind noch lange nicht alle Juden religiös. Eine große Zahl der Juden sind säkular. In einer Umfrage unter Israelischen Juden des „Jerusalemer Institut für Israel Studien“ und „Jerusalem Center für jüdisch-christliche Beziehungen“ beantworteten 78 % der befragten säkularen Juden die Frage „Sollte Christen die freie Ausübung ihres Glaubens in Israel gestattet sein?“ mit „Ja“, während die religiösen zu 68 % mit „Nein“ antworteten (Israel heute, Nachrichten aus Israel, Nr. 367, April 2009). Kann es sich hier also um ein von Gott geheiligtes Land handeln? Wo Jesus Christus nicht willkommen geheißen wird und die Sünde wie in jeder anderen Nation seinen Platz hat?
Was wir heute in Israel sehen, ist nur teil der Erfüllung die noch kommen wird. So gesehen nur die Wehen des großen „Finales“. Dass das Volk Israel wieder in das Land Judas und Israels heimkehrt, ist nur eine Teilerfüllung und kann keinesfalls als vollkommene Erfüllung angesehen werden. Doch die Erfüllung welcher Prophezeiung deute ich an? Während wir im oberen Vers bereits eine klare Aussage feststellen konnten, werden wir uns tiefer in die Wahrheiten der Schrift „leiten lassen“ müssen.
Das Tausendjährige Reich. Dispensationalistische Illusion?
Der gewöhnliche christus-gläubige reformierte Christ hat für den Dispensationalismus nichts übrig. Was nicht weiter verwunderlich ist, denn der Dispensationalismus (Eine Lehre die die Bibel in Haushaltungen teilt) vertritt den Prämillennialismus, während die Bundestheologie nur den Amillennialismus zulässt. Diese jeweils unterschiedlichen Auslegungen der Eschatologie (von den Dingen die kommen werden) schließen sich aus. Die reformierten betrachten den Dispensationalismus als eine inkonsequente und „außer-biblische“ Betrachtung der kommenden Dinge. Als ein System, das der Bibel übergestülpt wird und nicht der Selbstauslegung der Schrift standhält. Mir ist dabei aber immer noch schleierhaft, wie die reformierten die Bundestheologie wie selbstverständlich gerade so mit der heiligen Schrift verfahren. Mit einer gewissen Selbstverständlichkeit wird die Bundestheologie vorausgesetzt und nach diesem Schema wird dann die Bibel ausgelegt (siehe Taufe).
Wir finden z.B. keine einzige Stelle im NT die die Kindertaufe lehrt. Die Beschneidung als Zeichen des Bundes wird in allen Einzelheiten in der Schrift dargestellt. Die Juden wussten genau, wann und wie die Beschneidung geschehen soll. Für den Vertreter der Bundestheologie ist die Taufe seit dem NT quasi mit der Beschneidung gleichgesetzt (oder eine Fortsetzung dessen). Doch im NT wird nicht ein einziges Mal gelehrt, dass die Taufe ebenso an einem Kind ausgeführt werden soll (z.B. am 8. Tag). Vielmehr wissen wir, dass die Taufe nach dem Glauben geschehen soll. Ein Kleinkind (Baby, Taufalter) kann jedoch nicht in dem Maße und der Art glauben, wie es die Schrift erfordert (was nicht heißt dass es verloren sei). Nochmals zur Klarstellung, ich möchte die reformierten nicht beschuldigen oder schwarzmachen. Ich liebe und kenne Sie als bibeltreue und gewissenhafte Brüder, doch ich kann mich des Eindrucks nicht verwehren, dass die Bundestheologie eine gewisse Diskrepanz mit der Schrift aufweist.
Nun zum eigentlichen Grund diesen Abschnittes. Ein Zeitalter oder bestimmten Zeitabschnitt von 1000 Jahren finden wir ausschließlich in Offenbarung 20. Bevor wir uns näher mit diesem Millennium befassen werden, möchte ich anmerken das dass, meiner Meinung nach, zuwenig ist um daraus ein ausgeklügeltes System von Haushaltungen (Dispensationen) zu erstellen.
„Und ich sah einen Engel aus dem Himmel herabsteigen, der hatte den Schlüssel des Abgrundes und eine große Kette in seiner Hand. Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange, die der Teufel und der Satan ist, und band ihn für 1000 Jahre und warf ihn in den Abgrund und schloss ihn ein und versiegelte über ihm, damit er die Völker nicht mehr verführen kann, bis die 1000 Jahre vollendet sind. Und nach diesem muss er für kurze Zeit losgelassen werden.“
Offenbarung 20, 1-3
Außer in diesen Versen finden wir die Erwähnung von 1000 Jahren noch in den folgenden vier (V. 2,3,4,5,6,7) diesen Kapitels. Der Amillennialismus geht davon aus, dass die 1000 Jahre nicht buchstäblich zu verstehen seien (symbolisch) und dass wir uns bereits in diesem Zeitalter von 1000 (Eine Bezeichnung für einen längeren Abschnitt) Jahren befinden in dem die Macht des Satans „gebunden sei“. Doch dies ist ein Problem, denn wir finden hier keinerlei Andeutung, dass die 1000 Jahre nur symbolisch zu verstehen seien. Aus zahlreichen biblischen erfüllten Prophezeiungen wissen wir, dass die Bibel Zahlen wortwörtlich meint. John MacArthur schreibt zu Off 20,2 u.a. folgendes:
„Wenn man dieselben wörtlichen, historisch-grammatischen Prinzipien der Schriftauslegung so anwendet wie beim Bestimmen der normalen Bedeutung von Sprache, kommt man unausweichlich zu der Schlussfolgerung, dass Christus wiederkommen und 1000 Jahre über ein reales irdisches Reich herrschen wird. Nichts in diesem Text veranlasst zu schließen, dass >tausend Jahre< symbolisch gemeint sei.“
(Fortsetzung folgt)
Was ist deine Meinung? Welchen Standpunkt vertretest du?
12 Kommentare
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#1
Hallo Peter, vorweg: auch innerhalb des reformierten Lagers existieren unterschiedliche Ausprägungen der Bundestheologie (liberal, konservativ) aber mit „Ersatztheologie“ hat keine zu tun. Daher gleich zu Beginn eine Korrektur ;-) Die Bundestheologie stellt in keiner Weise eine Substitutionstheologie (Ersatztheologie) dar, sondern versteht sich – und erfüllt dieses Verständnis inhaltlich auch - als „Erfüllungstheologie“. Durch Christus werden die Gläubigen aus den Heiden und Israel zu dem „einen neuen Menschen“ (Eph2), werden die Heiden in das Israel Gottes „eingepfropft“ (Röm11). Das ethnische Israel war ein Bild des wahren Gottesvolkes bzw. dessen Beginn, welches in der Kirche seine vollständige Erfüllung findet, Israel der „Anfang von Christus“ die Kirche die „volle Reife“ (Heb5/6).
Zum Argument Nicht „solo Scriptura“. Dies ist nicht neu. Die bloße Existenz Israels als Gottesbeweis. Allerdings halte ich ein solches für unzulässig und auf gleicher Ebene anzusiedeln wie persönliche Erfahrungen. Es existiert genau eine spezifische Offenbarung: Gottes Wort! Aus eben diesem läßt sich die aktuelle Existenz wesentlich besser ableiten.
Wie bereits geschrieben, vertritt die Bundestheologie definitiv keine Verwerfung Israels. Allerdings wird innerhalb dieser unter „Israel“ und „Jude“ das verstanden, was Paulus beispielsweise den Römern schreibt: „nicht der ist ein Jude, sondern der ist ein Jude“ (Röm2:28-29). Die Unterscheidung zwischen Juden und Heiden, „die Zwischenwand der Umzäunung“ (Eph2) ist in Christus niedergerissen und Israel eine Nation wie jede andere. Dies sagt Petrus den ersten Christen als er vom jüdischen Hohen Rat zurückkam (Apg4:27).
Der gewöhnliche, reformierte Christ kann mit dem modernen Staat Israel durchaus etwas anfangen, jedoch nicht mehr als „Volk Gottes“, denn dieses wird mit der Braut Christi identifiziert. Petrus (1Petr2:9) wie Paulus (Röm9:25,26) berufen sich auf den Propheten Hosea (Hos2:25; 2:1) wenn sie dies tun. Worauf berufst Du Dich?
Ich als gewöhnlicher, reformierter Christ stehe der Nation Israel beispielsweise durchaus sehr wohlwollend gegenüber. Ersten gilt, den „Juden das Evangelium zuerst“. Wenn diese paulinische Aussage in erster auch der allgemeinen und spezifisch römischen, historischen Situation geschuldet ist, kann man dies sicher auch als ein grundsätzliches Prinzip ableiten. Zweitens sollen sich die Christen weder über die Juden erheben, noch von diesen abwenden (Röm11). Es gilt, Israel das Evangelium zu verkündigen bis die Vollzahl eingegangen ist. Drittens geht die Bundestheologie ja grundsätzlich davon aus, das Israel erweitert wurde.
Es ist weiterhin ein Irrtum anzunehmen jeder Reformierte verträte den Amillenialismus. Darüber hinaus werden m.W.n. durchaus auch der Postmillenialismus und der historische Präterismus vertreten. Der klassische Dispensationalismus ist eine völlig neue Lehre und nur als modifizierter bzw. progressiver Dispensationalismus dem historischen Prämillennialismus näherstehend. Zur Taufe als neutestamentliches Bundeszeichen nur ein kleiner Hinweis: Es ist Paulus, der in seinem Brief an die Kolosser den Bezug zwischen Beschneidung und Taufe herstellt (Kol2:11ff).
Soweit vielleicht erst einmal…
sdg
apologet -
#2
Hallo Apologet,
danke erstmal für deine ausführliche Antwort. Ich werde in kürze Stellung dazu nehmen.
sdg
Peter
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#3
Hallo Peter, mit Interesse habe ich deinen Artikel gelesen.
Wenn man „reformatorisch“ oder „reformiert“ nicht ausschließlich historisch definiert, sondern darunter alle die versteht, die sich zu den „Gnadenlehren“ bekennen, dann möchte ich auf eine dritte Sichtweise (neben Bundestheologie und Dispensationalismus) aufmerksam machen.
Wenn du sie schon kennst, dann betrachte es als eine Ergänzung – diese Sichtweise „Theologie des Neuen Bundes“ ist wohl eher in der „Mitte“ anzusiedeln, es lohnt sich aber darüber nachzudenken.
Viele Grüße Anna
Hier ist eine Gemeinde, die sich lehrmäßig daran ausrichtet und über das Glaubensbekenntnis ist leicht zu sehen, dass auch sie die „Gnadenlehren“ vertritt.
http://ncbf.net/
Hier ist eine Übersicht:
http://www.wcg.org/de/artikel/default.asp?id=392&q=neuer%20bund
Hier speziell auf die Problematik „Israel“.
http://www.wcg.org/de/artikel/default.asp?id=393
Hier werden einzelne Problemfragen behandelt:
http://www.wcg.org/de/artikel/default.asp?id=410
http://www.wcg.org/de/artikel/default.asp?id=412
http://www.wcg.org/de/artikel/default.asp?id=413
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#4
Vielen Dank, in kürze wird es eine ausführliche Antwort von mir geben.
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#5
Israel, wer bist du? (Teil 1) Eine Antwort
@apologet
Zuerst einmal gestehe ich gerne ein dass ich eine definitive Falschaussage in meinem (noch unvollständigen) Artikel „Israel, wer bist du?“ gemacht habe.
„...,während die Bundestheologie nur den Amillennialismus zulässt.“
Die Aussage, dass die Bundestheologie nur den Amillennialismus zulässt, ist schlichtweg falsch. Im reformierten Lager, in dem die Bundestheologie vertreten wird, gibt es durchaus verschiedene Auffassungen über die Auslegung des tausendjährigen Reiches (einige davon hat Apologet in seiner Antwort erwähnt).
Auch verwirft die Bundestheologie das nationale Israel nicht in der radikalen Form, wie ich es beschrieben habe. Dennoch ist das ethische, nationale Israel wie es heute existiert für die Bundestheologie ohne eine besondere Bedeutung. Während meine Sichtweise (im Bezug auf das tausendjähruge Reich, durchaus dispensationalistisch) ein nationales Israel erfordert (wenn auch nicht in der gleichen Form bzgl. der Geisteshaltung wie heute).
Das Wort „Ersatztheologie“ ist aus der gegenteiligen Sicht bzgl. der Bundestheologie durchaus angebracht. Natürlich wird ein Vertreter der Bundestheologie diese Beschreibung „leugnen“, da es sich für Ihn ja so nicht verhält. Die Frage bleibt: Wenn das Volk Gottes die Gemeinde ist, was ist das Israel von heute dann?
In Römer 11, 1.2 lässt Paulus klar werden, dass Israel immer noch das Volk Gottes ist und dass Gott sein(!) Volk keineswegs verworfen hat. Diese Verse lassen uns außerdem an keiner Stelle daran Zweifeln das hier nicht das nationale ethische Volk (Die Nation) gemeint sei.
Römer 11, 25-29 lässt außerdem klar werden dass klar zwischen dem Volk Gottes Israel und der Gemeinde unterschieden wird(28-30). Die Verstockung der Juden können wir heute deutlich am nationalen Israel sehen. Bibelgläubige Christen werden dort teilweise nachteilig behandelt und sind nicht gerne gesehen. Sie nehmen allenfalls eine „Sektenähnliche“ Stellung ein. Dies kann auch als Erfüllung Römer 11, 28 gesehen werden. Solange das nationale Volk Israel Christus nicht erkennt (bis zur Wiederkunft Christi und seines Reiches) tritt die Gemeinde an die Stelle des Volkes Israels. Die Verheißung an eben diesem bleibt jedoch bestehen.
@anna
Vielen Dank für die Anregungen und Links. Die New Covenant Theology ist durchaus interessant und befindet sich wie du sagst zwischen den Polen. Jedoch sagt Sie mir aufgrund der Rolle die das Volk Israel darin spielt nicht 100%ig zu. Ich werde mich mit dieser Sichtweise aber auf jeden Fall mal näher befassen.
Ein abschließendes Statement:
Ich beanspruche keineswegs mit meiner Sicht, Recht zu haben. Es könnte gut möglich sein, das ich als „Verlierer“ aus diesem „Disput“ hervorgehe. Deshalb gilt. Prüft alles was Ihr hier auf meinem Blog liest.
Möge dies zur Verherrlichung und zur Mehrung unserer Erkenntnis führen.
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#6
@Peter
Es geht mitnichten um "Gewinner" und "Verlierer", sondern einfach darum, nachzudenken.
Letztlich soll doch bei diesem Prozess eine Sichtweise herauskommen, die das Gesamtbild des Wortes Gottes widerspruchsfrei und adäquat widergibt.
Insofern verstehe ich auch deine Artikel.
Es ist doch viel zu oft so, dass das eigene Nachdenken auf der Strecke bleibt zugunsten von "Nachsprechen".
Und wenn ein solcher Prozess des eigenen Überlegens angeregt wird, ist für viele etwas Wichtiges gewonnen. -
#7
Hallo Peter, wenn ich das sagen darf: ich halte die Bezeichnung „Falschaussage“ (das impliziert ja Vorsatz) für übertrieben, würde es eher als eine nachsehbare Verallgemeinerung ansehen. Der Amillenialismus ist in der Tat sehr verbreitet.
Die Begrifflichkeit „Substitutionstheologie“ halte ich jedoch für äußerst problematisch, irrig und zudem für einen polemischen Schmähbegriff, der die Aussagen der Bundestheologie zu diesem Thema nicht berücksichtigt bzw. fehlnterpretiert. Römer 11 lehrt aus bündnistheologischer Sicht einerseits eindeutig das Israel nicht verworfen, andererseits jedoch teilweise verstockt ist. Weiterhin lehrt Paulus dort, daß zu Israel nur derjenige gezählt wird, der glaubt. Er führt aus, das jeder ungläubige Israelit ausgebrochen, jeder gläubige Heide in Israel eingepfropft wird. Also kein Widerspruch zu anderen Aussagen der Schrift, welche das Ende der Unterscheidung eindeutig lehren.
Darum denkt daran, dass ihr, die ihr von Geburt einst Heiden wart und Unbeschnittene genannt wurdet von denen, die äußerlich beschnitten sind, dass ihr zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und Fremde außerhalb des Bundes der Verheißung; daher hattet ihr keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst Ferne wart, Nahe geworden durch das Blut Christi. Denn er ist unser Friede, der aus beiden "eines" gemacht hat und den Zaun abgebrochen hat, der dazwischen war, nämlich die Feindschaft. Durch das Opfer seines Leibes hat er abgetan das Gesetz mit seinen Geboten und Satzungen, damit er in sich selber aus den zweien einen neuen Menschen schaffe und Frieden mache und die beiden versöhne mit Gott in "einem" Leib durch das Kreuz, indem er die Feindschaft tötete durch sich selbst.
Eph2:11-16
Von einem kollektiven, "nationalen" Heil spricht die Schrift in Bezug von Israel grundsätzlich nie, sondern immer als Bündnisgemeinschaft mit Bündnisverpflichtung. Aus dem Heiden Abram wurde durch Glaube und Beschneidung der Stammvater Israels, nach neutestamentlichen Zeugnis jedoch auch aller Gläubigen aus den Nationen.
sdg
Andreas
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#8
Danke Anna und Andreas,
ich werde darüber nachdenken und in absehbarer Zeit (womöglich erst im 2ten Teil des Artikels) eine ausführliche und "begründetere" Darlegung meiner Sicht aufschreiben. Ich denke das Thema und der Gegenstand sind doch zu Ernst als das man leichtfertig darüber schreibt, auch weil das Thema komplexer ist (als ich annahm).
soli deo gloria -
#9
In diesem Zusammenhang stellt sich für mich die Frage der Mission. Natürlich sind und bleiben die Juden das erwählte Volk Gottes mit besonderer Verpflichtung. Aber sollten wir nicht trotzdem auch den Juden von Jesus Christus erzählen? Viele tun sich damit schwer, weil das implizieren könnte, den Juden die Heilsgewißheit abzusprechen. Dabei war Jesus Jude, ein Mann aus dem erwählten Volk Gottes. Ich halte die Mission der Juden nicht für heilsnotwendig, aber ihnen das Evangelium bewußt vorzuenthalten, macht auch keinen Sinn. Mission verstehe ich als Angebot zum selbst in der Bibel lesen.
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#10
Für die Judenmission spricht: Jesus Christus hat gerade den Juden zuerst die frohe Botschaft verkündet, gerade weil er zu ihnen als dem auserwählten Volk Gottes gehört.
Wenn das Motiv für Mission aber nicht die Verkündigung der frohen Botschaft ist, sondern wenn der Grund für die Missionsbedürftigkeit der Juden sein soll, dass sie ohne erfolgreiche Missionierung nicht am Heil, am Reich Gottes teilhaben können, nicht durch Christus erlöst werden können, dann hat die Mission nicht das richtige Motiv. Sie sind das Volk Gottes, was nicht bedeutet, dass sie als Menschen oder Politiker besser sind als Angehöriger anderer Nationen. Als Volk Gottes werden sie von Gott strenger beurteilt als andere. Denn sie haben das Gesetz. Das Gesetz, das in Christus erfüllt ist und nicht aufgehoben ist.
Ein Artikel, der das Thema berührt:
"Die christliche Eroberung des alten Testaments"
http://buecher.hagalil.com/2010/05/moll/
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#11
Die "Barmer Theologische Erklärung" wird kritisiert, weil sie zu christozentrisch sei und nicht ausdrücklich auch das Heil für die Juden anerkennt. Zwar hätten die Vertreter der Bekennenden Kirche von heute aus gesehen durchaus mehr für die Juden eintreten sollen, aber bei diesem Bekenntnis ging es in erster Linie um die innerkirchliche Auseiandersetzung mit den Deutschen Christen sowie um ein Abwehren staatlicher Einflussnahme auf das Verständnis der Offenbarung.
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#12
Vielen Dank Susanne K.,
ich werde mich beizeiten mit deinen Ausführungen ausführlicher beschäftigen.
LG
Peter 